Aktualisiert: Oktober 2026
Kurz gesagt: Beckenbodentraining kräftigt die Muskeln, die Blase, Darm und bei Frauen die Gebärmutter stützen. Du übst im Liegen, Vierfüßlerstand und Stand: gezieltes Anspannen für 5 Sekunden, locker lassen, 10 Wiederholungen, drei bis vier Mal pro Woche. Nach einer Geburt oder Operation klärst Du den Einstieg mit Hebamme oder Physiotherapie. Stand: Oktober 2026.
Der Beckenboden ist unsichtbar, aber im Alltag ständig im Einsatz. Mit sechs einfachen Übungen und einem Vier-Wochen-Plan startest Du ohne Geräte. Wenn Du Dich für Bewegung als Ganzes interessierst, lies auch unseren Beitrag zu einer festen Yoga-Routine.
Was ist der Beckenboden und wofür ist er wichtig?
Der Beckenboden ist eine Muskel- und Bindegewebsplatte, die den Beckenausgang von unten verschließt. Er stützt Blase, Darm und bei Frauen die Gebärmutter, hilft beim Halten von Urin und Stuhl und arbeitet mit Bauch-, Rücken- und Atemmuskulatur zusammen.
Ein schwacher oder überlasteter Beckenboden kann sich durch ungewollten Urinverlust beim Niesen, Lachen oder Springen, durch Druckgefühl nach unten oder durch Rückenbeschwerden bemerkbar machen. Training gilt bei Belastungsinkontinenz als erste Maßnahme, ersetzt aber keine Diagnose.
Der Beckenboden besteht aus mehreren Schichten. Die tiefen Muskeln arbeiten automatisch und halten den Druck im Bauchraum im Gleichgewicht, etwa beim Husten. Deshalb ist es sinnvoll, ihn nicht isoliert zu betrachten: Zwerchfell, tiefe Bauchmuskeln und Rückenmuskulatur bilden mit ihm eine Art Zylinder. Beim Einatmen senkt sich der Beckenboden leicht, beim Ausatmen hebt er sich. Genau dieses Zusammenspiel nutzen die Übungen unten.
Wie spürst Du Deinen Beckenboden richtig?
Am einfachsten im Liegen oder Sitzen: Stelle Dir vor, Du willst Luft zurückhalten und gleichzeitig Wasserlassen unterbrechen. Es entsteht ein sanftes Anheben nach innen und oben. Bauch, Po und Oberschenkel bleiben locker, die Atmung läuft weiter.
- Lege eine Hand auf den Unterbauch: Er sollte nicht stark nach außen drücken.
- Presse nicht nach unten, das ist das Gegenteil von Anspannen.
- Das Unterbrechen des Harnstrahls ist nur zum Kennenlernen gedacht, nicht als regelmäßige Übung.
Findest Du die Muskeln nicht, hilft ein Termin bei einer Beckenboden-Physiotherapie.
Welche 6 Beckenbodenübungen helfen Dir zum Start?
Alle Übungen bestehen aus Spannung beim Ausatmen und Lösen beim Einatmen. Mache langsame Bewegungen und höre bei Schmerzen auf.
- Wahrnehmen im Liegen: Rückenlage, Knie angewinkelt. Beckenboden 5 Sekunden anspannen, 10 Sekunden lösen. 10 Wiederholungen.
- Beckenkippen: Beim Ausatmen den unteren Rücken in die Matte drücken und den Beckenboden leicht anheben, beim Einatmen lösen. 12 Wiederholungen.
- Brücke: Beim Ausatmen das Becken heben, oben 3 Sekunden halten und langsam absenken. 10 Wiederholungen.
- Katzenbuckel im Vierfüßlerstand: Rücken rund machen, Beckenboden anspannen, dann wieder neutral. 10 Wiederholungen.
- Dead Bug: Rückenlage, Arme und Beine nach oben. Gegengleich Arm und Bein senken, Beckenboden aktiv halten. 8 pro Seite.
- Kniebeuge mit Anspannung: Beim Hinuntergehen einatmen, beim Aufstehen ausatmen und den Beckenboden anspannen. 10 bis 12 Wiederholungen.
Zwischen den Übungen gönnst Du Dir 30 bis 60 Sekunden Pause.
Typische Fehler: Luft anhalten, den Po fest zusammenkneifen, die Oberschenkel anspannen oder nach unten pressen. Wenn Du solche Muster bemerkst, mache die Spannung kleiner und konzentriere Dich auf die Ausatmung. Qualität schlägt Kraft: Eine sanfte, saubere Anspannung bringt mehr als ein verkrampftes Zusammenpressen.
Wie sieht ein Trainingsplan für vier Wochen aus?
Drei bis vier Einheiten pro Woche mit 10 bis 15 Minuten reichen. Steigere die Dauer der Spannung langsam.
| Woche | Einheiten | Umfang | Ziel |
|---|---|---|---|
| 1 | 3 pro Woche | Übungen 1 und 2, je 8 bis 10 Wiederholungen | Spüren lernen |
| 2 | 3 bis 4 pro Woche | Übungen 1 bis 4, 1 Durchgang | Spannung 5 Sekunden |
| 3 | 4 pro Woche | Alle 6 Übungen, 1 Durchgang | Bewegung koppeln |
| 4 | 4 pro Woche | Alle 6 Übungen, 2 Durchgänge | Alltagsnähe, Spannung 8 Sekunden |
Ergänze den Plan durch Alltagsmomente: kurz anspannen, bevor Du hustest, hebst oder aufstehst. Wirksam ist vor allem Regelmäßigkeit über Wochen, erste Veränderungen zeigen sich meist nach 6 bis 12 Wochen.
Wenn Du an einem Tag keine Zeit hast, reicht eine Mini-Einheit: Übung 1 im Sitzen auf dem Sofa, zehn Wiederholungen. So bleibt die Gewohnheit bestehen, ohne dass Du Dich unter Druck setzt. Hilfreich ist ein fester Anker, zum Beispiel direkt nach dem Zähneputzen oder während des Wasserkochens.
Was ist bei Frauen, Männern und nach der Geburt anders?
Die Übungen sind für alle geeignet, die Gründe unterscheiden sich. Frauen profitieren oft in und nach der Schwangerschaft, nach Geburten und in den Wechseljahren. Männer trainieren häufig nach Prostata-Operationen oder bei Blasenschwäche.
- Nach der Geburt: Starte erst nach Rücksprache mit Hebamme oder Physiotherapie, meist nach Abschluss der Wochenbettphase. Ein Rückbildungskurs ist hilfreich.
- Nach Operationen: Frage die behandelnde Praxis nach dem Zeitpunkt.
- Bei Schmerzen oder Verspannung: Entspannen ist wichtiger als Anspannen, hier berät eine Fachperson.
Auch im Alter lohnt sich das Training. Die Muskulatur reagiert in jedem Lebensabschnitt auf Reize, nur der Aufbau dauert etwas länger. Wer Sport mit Sprüngen betreibt, etwa Laufen oder Seilspringen, sollte den Beckenboden besonders im Blick haben und bei Urinverlust professionelle Hilfe suchen.
Wann solltest Du Beschwerden ärztlich abklären lassen?
Wenn Du Urin oder Stuhl nicht halten kannst, ein Fremdkörpergefühl oder Druck im Unterleib spürst, Schmerzen beim Sex hast oder Blut im Urin bemerkst. Auch anhaltende Verstopfung kann den Beckenboden belasten, mehr dazu in Verstopfung: Was hilft?
Bei starkem Übergewicht, chronischem Husten und schwerem Heben steigt der Druck auf den Beckenboden. Eine ausgewogene Ernährung und Bewegung unterstützen ihn, die Grundregeln fürs Abnehmen geben dazu Orientierung. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Nach dem Training sind ein Glas Wasser oder ein kaltgepresster Saft eine nette Routine.
Das könnte Dich auch interessieren
- So entwickelst Du eine feste Yoga-Routine - 3 einfache Tipps
- In der Ruhe liegt die Kraft - Yoga als Krafttraining
- Schlaf - Die Wirkung von Schlaf auf Deinen Körper
Häufige Fragen zu Beckenbodentraining
Wie oft sollte man Beckenbodentraining machen?
Drei bis vier Einheiten pro Woche mit 10 bis 15 Minuten sind ein guter Start. Kurze Übungen im Alltag ergänzen das Training.
Wie lange dauert es, bis Beckenbodentraining wirkt?
Erste Veränderungen zeigen sich oft nach 6 bis 12 Wochen regelmäßigen Übens. Das ist individuell.
Ist Beckenbodentraining auch für Männer sinnvoll?
Ja, der Beckenboden ist bei allen Menschen vorhanden. Er spielt zum Beispiel bei Blasenkontrolle und nach Prostata-Operationen eine Rolle.
Ab wann nach der Geburt darf ich Beckenboden trainieren?
Das hängt von Geburtsverlauf und Heilung ab. Hebamme oder Physiotherapie sagen Dir, wann und womit Du beginnst.
Darf ich beim Wasserlassen den Strahl unterbrechen?
Nur ein- oder zweimal zum Kennenlernen der Muskeln. Regelmäßig praktiziert kann es die Blasenentleerung stören.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme sprich bitte vorher mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin.





















































