Fastenarten: Welche ist die Richtige für mich?

Fastenarten: Welche ist die Richtige für mich?

In der Menschheitsgeschichte hat Fasten eine lange Tradition. Kein Wunder, dass es zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten gibt, zu fasten. Ob Verzicht auf Genussmittel, der komplette Verzicht auf feste Nahrung oder die Reduktion auf einige wenige Lebensmittel – dank der Vielfalt an verschiedenen Fastenarten finden alle ihre individuell beste Art des Fastens. Im Folgenden stellen wir Dir einige Fastenarten sowie deren Besonderheiten vor.

Was sind überhaupt die Beweggründe für das Fasten?

In der frühen Menschheitsgeschichte war Nahrung oft ein knappes Gut. Vor allem im Winter stellte sich das vorhandene Nahrungsangebot als besonders mager dar. Dementsprechend musste die verfügbare Nahrung eingeteilt werden. Phasen des Fastens gehörten dabei zur Normalität. Damit der menschliche Körper solche Phasen übersteht, ist ein anpassungsfähiger Organismus unerlässlich.

So legt Dein Körper in Zeiten von guter Nahrungsmittelversorgung körpereigene Depots an. Herrscht in der Folge Nahrungsmittelknappheit, können derartige Depots mobilisiert werden, um kurze Zeiträume mit vollständig ausbleibender oder minimaler Nahrungszufuhr überbrücken zu können.

Seit Jahrhunderten stellt das Fasten einen festen Bestandteil vieler Religionen dar. Darüber hinaus erhielt es seit dem 20. Jahrhundert festen Einzug in die Medizin. Unter anderem wird es zur Prävention von Krankheiten und als anerkannte Therapieform für zahlreiche Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt.

Die beste Fastenmethode finden – vom Heilfasten bis zum Intervallfasten

Musste der Mensch in der Vergangenheit häufig evolutionsbedingt hungern, entscheiden sich mittlerweile viele Menschen aktiv, freiwillig und selbstbestimmt zu fasten. Dementsprechend gibt es zahlreiche unterschiedliche Arten des Fastens: vom Heilfasten nach Buchinger über das Saftfasten bis hin zur Mayr Kur-Methode. Im Anschluss werden Dir die beliebtesten Fastenarten der heutigen Zeit in einem Überblick vorgestellt:


Heilfasten nach Buchinger

Als wohl bekannteste Form des Fastens gilt das Heilfasten nach Dr. Otto Buchinger. Im Vergleich zum reinen Wasserfasten werden hierbei täglich einige wenige Kalorien aufgenommen. Diese Kalorien werden ausschließlich in Form von Gemüsebrühen, frisch gepressten und verdünnten Obst- oder Gemüsesäften sowie Honig zum Süßen zugeführt. Dementsprechend wird auf den Konsum von fester Nahrung verzichtet. Dieser Verzicht regt einige Vorgänge im Körper an. 

Zunächst greift der Körper während des Fastens auf die eigenen Reserven zurück und es kommt zur Entleerung der Glykogenspeicher. Der Glykogenspeicher bezeichnet die in Form von Glykogen gespeicherten Kohlenhydrate in allen Zellen. Nachdem diese leer sind, schaltet der Körper vom Kohlenhydrat-Stoffwechsel zum Fett-Stoffwechsel. Dies ist der Beginn der Fettverbrennung, zudem wird die Autophagie erhöht.

Das Kaloriendefizit sorgt also dafür, dass sich der Stoffwechsel des menschlichen Organismus anpasst und in der Folge auf die Energiegewinnung aus körpereigenen Quellen umstellt. Zeitgleich wird die eigene Verdauung entlastet.

Das Heilfasten nach Buchinger wird als mehrwöchiges und multidisziplinäres Konzept innerhalb spezieller Fastenkliniken angeboten. Doch diese Fastenmethode eignet sich auch für das eigenständige Kurzfasten zu Hause, sofern keine gesundheitlichen Gründe dagegensprechen. Normalerweise wird das Heilfasten für rund zwei Wochen durchgeführt.


F. X. Mayr Kur-Methode

Immer größer werdender Beliebtheit erfreut sich die Fastenkur, die von Dr. Franz Xaver Mayr entwickelt wurde. Als Milch-Semmel-Kur ist diese Fastenart bekannt, da besonders zubereitete Brötchen während der Fastenzeit erlaubt sind, um das bewusste Kauen und Einspeicheln der Nahrung zu trainieren. Es wird also nicht vollständig auf Nahrung verzichtet.

Der österreichische Arzt Mayr schwört darauf, dass eine bestens funktionierende Verdauung den Schlüssel zu einem gesunden Leben darstellt. Einer traditionellen Mayr-Kur liegen drei Säulen zugrunde: die Schonung, die Säuberung und die Schulung. Dafür wird eine Dauer der Mayr-Kur von drei bis vier Wochen veranschlagt. Zunächst soll der Darm geschont werden. Daraufhin wird der Darmtrakt von Giften gesäubert. Ebenso sollen alle Fastenden in essentiellen Fragen der Gesundheit, insbesondere im Hinblick auf eine gesunde Ernährung, geschult werden.

Eines der Hauptziele ist die bewusste Nahrungsaufnahme: Am Ende sollen die Fastenden ihre Nahrung gründlich und langsam kauen und einspeicheln. Das verbessert den eigenen Verdauungsprozess und veranlasst zugleich die Regeneration des gesamten Verdauungsapparates. Eine genaue Angabe der maximalen Kalorienzufuhr ist nicht Teil der Mayr-Kur. Vielmehr soll von der vorgeschriebenen Schonkost gegessen werden, bis ein leichtes Sättigungsgefühl einsetzt. Danach wird die Nahrungsaufnahme eigenständig beendet.

Saftfasten

Als besonders beliebt in der heutigen Zeit gilt das sogenannte Saftfasten. Auch hier wird auf feste Nahrung verzichtet. Doch Deinem Körper werden durch die große Vielfalt an Obst- und Gemüsesäften viele wichtige Nährstoffe zugeführt. Beim Saftfasten ist es besonders wichtig, auf die Qualität der Säfte zu achten. Diese sollten idealerweise keinen zugesetzten Zucker oder künstliche Aromen oder Zusatzstoffe enthalten. 

Ein weiterer Vorteil vom Saftfasten ist, dass kein vollständiger Verzicht stattfindet. Durch den leckeren Geschmack der Säfte fällt es vielen Fastenden leichter, auf feste Nahrung zu verzichten. Zudem findet eine Entlastung des Darms sowie Deiner Verdauung statt. 

Trotzdem bezieht Dein Körper auch beim Saftfasten einen Großteil der benötigten Energie aus körpereigenen Depots und Quellen. Das Zuführen von ausreichend Wasser ist, ähnlich wie beim Buchinger-Fasten, zwingend notwendig. In der Regel werden Saftkuren für die selbstständige Durchführung zwischen drei, fünf und sieben Tagen angeboten.


Basenfasten

Bei dieser Art des Fastens wird nicht in klassischer Form auf die Nahrungsaufnahme verzichtet. Vielmehr werden ausschließlich basische Lebensmittel verzehrt. Säure bildende Lebensmittel dagegen werden vermieden. Dementsprechend werden vorwiegend Obst und Gemüse, Kräuter sowie Kerne konsumiert. Nüsse sind erlaubt, solange sie für die basische Ernährung geeignet sind, wie beispielsweise Mandeln und Wal- oder Macadamianüsse. Kein Platz im Ernährungsplan dieser Fastenkur haben dagegen tierische Proteine und Getreide.

Im Gegensatz zu anderen bereits vorgestellten Fastenmethoden wird beim Basenfasten demnach auch feste Nahrung verzehrt. Im Mittelpunkt vom Basenfasten steht der durch ungesunde Ernährung, Stress und Bewegungsmangel ins Ungleichgewicht geratene Säure-Basen-Haushalt. Neben einer Gewichtsabnahme wird also primär der Säure-Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht gebracht.


Scheinfasten

Beim Fasten nach Prof. Valter Longo, einem italienischen Wissenschaftler und Altersforscher, werden fünf Tage lang täglich rund 800 Kalorien zu sich genommen. Ähnlich wie beim Basenfasten wird auch beim Scheinfasten feste Nahrung konsumiert. Gegessen werden ausschließlich pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Nüsse, Olivenöl. Der Schwerpunkt liegt auf fett- und proteinhaltigen Lebensmitteln, Kohlenhydrate werden größtenteils gemieden.

Durch die geringe Kalorienaufnahme kann das Scheinfasten, ähnlich wie das Saftfasten oder das Basenfasten, leicht in den Alltag integriert werden. Trotzdem werden durch das vorhandene Kaloriendefizit die Stoffwechselprozesse angepasst und körpereigene Depots zur Energiegewinnung aktiviert.


Es gibt noch weitere Fastenmethoden...

Der bisherige Überblick über die verschiedenen Fastenarten zeigt die beliebtesten Fastenkuren der heutigen Zeit. Doch es gibt noch weitere Fastenarten, die Dir das Fasten auf angenehme Art und Weise näherbringen können. Zu erwähnen ist hier das sogenannte Intervallfasten, das sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreut. Dabei handelt es sich um  Fasten in einem bestimmten Zeitintervall, etwa für 16 Stunden am Tag, die Mahlzeiten werden dann in den verbleibenden 8 Stunden zu sich genommen.

Ebenfalls erfreut sich das sogenannte Molkefasten großer Beliebtheit. Hier werden ausschließlich Produkte mit Molke und zusätzlich Obstsäfte und Kräutertees verzehrt. Eine weitere Fastenmethode bietet das Schleimfasten. Hierbei wird die eigene Nahrungsmittelzufuhr auf Reis-, Buchweizen- und Haferschleim reduziert. Dadurch wird der Darm- und Magentrakt geschont und geschützt.

Ob Heilfasten, Mayr-Kur-Methode, Basenfasten, Saftfasten, Intervallfasten oder auch Schleim- und Scheinfasten – jede Fastenkur hat ihre eigenen Vorzüge. Am Ende ist es auch immer eine Sache der individuellen Vorlieben.

Liliane Petzold

Unsere Ernährungswissenschaftlerin Liliane gibt Dir wöchentlich Tipps rund um die Themen Gesundheit, Ernährung und Fasten.

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