Hildegard-Fasten: Dinkel, Ablauf und kritische Einordnung

Anna Gellert
Geschrieben von: Ernährungswissenschaftlerin
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Schale Dinkelbrei mit Trockenfrüchten, Dinkelkörnern und Kräutern auf einem Holztisch

Aktualisiert: Oktober 2026

Kurz gesagt: Das Hildegard-Fasten ist eine Fastenkur, die sich auf die Lehren der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) beruft. Es dauert drei bis sieben Tage, gegessen wird vor allem Dinkelbrühe mit Kräutern, insgesamt höchstens etwa 800 kcal pro Tag. Wissenschaftlich belegt ist die Methode nicht. Es ist eine Fastenform aus der Tradition, die man neutral und kritisch betrachten sollte. Stand: Oktober 2026.

Hildegard von Bingen ist eine der bekanntesten Frauen des Mittelalters. Der Name Hildegard steht heute auf Kochbüchern, Dinkelprodukten und Fastenkuren. Hier siehst Du, was dahintersteckt.

Was ist das Hildegard-Fasten?

Eine milde Fastenkur mit Dinkel, Gemüsebrühe und Kräutertee, die sich auf die Lehren der Hildegard von Bingen beruft. Hildegard lebte von 1098 bis 1179 als Äbtissin in Bingen am Rhein und schrieb unter anderem über Natur- und Heilkunde. Das Fasten nach ihr ist keine historische Praxis im strengen Sinn, sondern eine moderne Zusammenstellung, die seit den 1970er-Jahren unter dem Begriff „Hildegard-Medizin“ vermarktet wird.

Das ist wichtig für die Einordnung: Mittelalterliche Texte lassen sich nur schwer in heutige Gesundheitsratschläge übersetzen. Was heute als Hildegard-Fasten angeboten wird, ist eine Interpretation. Die Grundidee, bewusst auf Üppiges zu verzichten, ist dagegen uralt und auch in anderen Traditionen zu finden. Wer sich dafür interessiert, sollte Bücher und Angebote zur Hildegard-Medizin deshalb als Einstieg in eine Tradition lesen und nicht als medizinischen Fahrplan. Seriöse Anbieter sagen offen, was belegt ist und was auf Überlieferung beruht, und sie weisen auf Risikogruppen hin. Wenn jemand dagegen verspricht, Krankheiten zu behandeln oder Dich zu reinigen, ist Skepsis angebracht. Wie das mit der Fastenzeit zusammenhängt, steht im Beitrag Was ist Fasten?

Wie läuft das Hildegard-Fasten ab?

Drei bis sieben Tage, eingerahmt von einer Vorbereitungs- und einer Wiedergewöhnungsphase. Laut web.de beträgt die Energiezufuhr höchstens 800 kcal pro Tag. Nach dem Fasten folgt eine viertägige Wiedergewöhnung mit gedünstetem Obst und Gemüse.

Phase Dauer Inhalt
Vorbereitung Variiert Leichte Kost, Darmentleerung (in der Methode vorgesehen)
Fasten 3 bis 7 Tage Dinkelbrühe mit Kräutern, Tee, Dinkelkaffee, gekochte Dinkelflocken, bis 800 kcal
Wiedergewöhnung ca. 4 Tage Gedünstetes Obst und Gemüse, Dinkelflocken

Die Zahl der Vorbereitungstage variiert je nach Quelle, wir haben dafür keine verlässliche Angabe gefunden. Plane für einen ruhigen Start trotzdem mindestens einen Tag mit leichter Kost vorab ein, etwa Gemüse, Kartoffeln und Obst. Die Verbraucherzentrale empfiehlt allgemein, die Nahrungsmenge zwei bis drei Tage vor dem Fasten schrittweise zu senken, und das gilt auch für diese Kur.

Warum spielt Dinkel beim Hildegard-Fasten die Hauptrolle?

Weil Dinkel in der Hildegard-Lehre einen besonderen Status hat. Gegessen wird laut web.de ein- bis zweimal täglich eine Gemüsebrühe mit Dinkelschrot und frischen Kräutern, dazu Dinkelkaffee und gekochte Dinkelflocken. Dinkel ist ein Getreide mit Gluten und liefert Kohlenhydrate sowie Ballaststoffe.

Eine Studie, die zeigt, dass Dinkel besser fürs Fasten ist als andere Getreidearten, haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Er ist eine sättigende, gut verträgliche Basis, aber kein Allheilmittel. Bei Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit ist er ungeeignet. Das Rezept für eine Dinkelsuppe findest Du unten.

Wie kochst Du eine einfache Dinkel-Gemüsebrühe?

Mit Dinkelschrot, Gemüse und Kräutern, in 40 Minuten. Das Rezept ergibt zwei Portionen.

  • 80 g Dinkelschrot oder Dinkelgrieß
  • 1 Karotte, 1 Stange Sellerie, 1 kleiner Lauch
  • 800 ml Gemüsebrühe ohne Zusatzstoffe
  • 1 EL frische Petersilie, 1 TL Fenchelsamen
  • Salz nach Geschmack

Gemüse klein schneiden und 15 Minuten in der Brühe köcheln. Dinkelschrot einrühren und weitere 15 Minuten bei niedriger Hitze quellen lassen. Kräuter erst am Ende dazugeben. Wenn Du magst, püriere einen Teil der Suppe für mehr Cremigkeit. Ein Tagesbeispiel: morgens Fencheltee und eine Tasse Dinkelkaffee, mittags eine Portion Dinkelbrühe, nachmittags Kräutertee, abends erneut Brühe. Zwischendurch trinkst Du Wasser, insgesamt mindestens 2,5 Liter, wie die Verbraucherzentrale rät. Lege Dir die Brühe am Vortag auf Vorrat an, dann ist der Fastentag ruhig. Als Getränk passt dazu ein Fencheltee, mehr dazu im Beitrag Tee zum Fasten.

Ist das Hildegard-Fasten gesund oder wissenschaftlich belegt?

Als Methode ist es nicht belegt. Wir haben keine hochwertigen Studien gefunden, die das Hildegard-Fasten gegenüber anderen Fastenformen prüfen. Die DGE verweist beim klassischen Heilfasten (etwa 250 bis 500 kcal pro Tag) darauf, dass der Erfolg entscheidend von der Begleitung durch erfahrene Fastenärzte oder geschulte Fastenleiter abhängt. Das gilt für jede Fastenform, auch für diese.

Kritisch sehen wir vor allem drei Punkte. Erstens die Darmentleerung mit Glaubersalz oder Einläufen, die in der Methode vorgesehen ist. Das ist nicht ungefährlich und gehört nicht in die Eigenregie. Mehr dazu im Beitrag Sanfte Darmentleerung beim Fasten. Zweitens versprechen manche Anbieter Wirkungen, die nicht belegt sind. Drittens deckt eine Kur mit höchstens 800 kcal den Bedarf nicht, sie muss deshalb zeitlich begrenzt bleiben. Die Verbraucherzentrale rät, auch als Gesunder nicht länger als eine Woche vollständig zu fasten.

Wie unterscheidet sich das Hildegard-Fasten von anderen Fastenarten?

Es ist milder als klassisches Heilfasten und enger in der Lebensmittelauswahl. Die Tabelle stellt es in den Kontext. Die Werte stammen von web.de und der DGE.

Methode Energie pro Tag Dauer Besonderheit
Hildegard-Fasten bis 800 kcal 3 bis 7 Tage Dinkel, Kräuter
Heilfasten (DGE) 250 bis 500 kcal 7 bis 10 Tage Brühe, Säfte, Honig
frank. Saftkur ca. 650 bis 930 kcal 1 bis 7 Tage 6 Säfte pro Tag

Wer sich einen Überblick verschaffen will, findet ihn unter Fastenarten: Welche ist die Richtige für mich?

Für wen ist das Hildegard-Fasten nicht geeignet?

Für Schwangere, Stillende, Kinder, Menschen mit Essstörungen, Untergewicht, Zöliakie oder Vorerkrankungen. Auch bei regelmäßigen Medikamenten sollte vorher die Ärztin oder der Arzt gefragt werden, vor allem bei Diabetes oder Blutdruckmitteln. Die Verbraucherzentrale empfiehlt allgemein, vor dem Fasten ärztlichen Rat einzuholen.

Nach dem Fasten steigst Du langsam wieder ein: gedünstetes Gemüse, Dinkelflocken, später Vollkorn und Eiweiß, in kleinen Portionen und gut gekaut. Mehr dazu im Beitrag Fastenbrechen Anleitung. Bei Schwindel, Herzrasen oder starker Schwäche brichst Du ab. Verzichte auf Abführsalze und Einläufe ohne ärztliche Anleitung. Wenn Du Dich eher für die spirituelle Seite interessierst, kannst Du auch den Gedanken des bewussten Verzichts in die Fastenzeit übernehmen, ohne die Kur zu machen.

Passend dazu von frank.

Wenn Du eine Kur mit mehr Energie und ohne Darmentleerung bevorzugst, ist die frank. Saftkur eine Alternative: sechs kaltgepresste Säfte pro Tag, ab 99,75 EUR für drei Tage (Stand Oktober 2026).

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Häufige Fragen zu Hildegard-Fasten

Wie lange dauert das Hildegard-Fasten?

Der Fastenteil dauert drei bis sieben Tage. Dazu kommen Vorbereitung und eine etwa viertägige Wiedergewöhnung.

Wie viele Kalorien hat das Hildegard-Fasten?

Laut web.de höchstens 800 kcal pro Tag. Das liegt deutlich unter dem Bedarf der meisten Erwachsenen.

Warum Dinkel beim Fasten?

In der Hildegard-Lehre hat Dinkel einen hohen Stellenwert. Eine überlegene Wirkung gegenüber anderem Getreide ist nicht belegt.

Ist das Hildegard-Fasten wissenschaftlich belegt?

Nein, uns sind keine hochwertigen Studien bekannt, die das Hildegard-Fasten prüfen.

Brauche ich beim Hildegard-Fasten einen Einlauf?

In der Methode ist eine Darmentleerung vorgesehen. Das gehört nicht in die Eigenregie. Frag vorher ärztlich nach.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme sprich bitte vorher mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin.

Fragen, die dieser Artikel beantwortet

Quellen

  1. web.de: Fastenmethoden im Check
  2. DGE: Heilfasten
  3. Verbraucherzentrale: Richtig fasten
Anna Gellert
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