Hast du regelmäßig, einfach so, während du andere Dinge erledigst Sex? Nein? Essen ist intimer als die vermeintlich intimste Tätigkeit, die es gibt: du nimmst Lebensmittel in dir auf und verwertest sie. Du bist was du isst! Und trotzdem isst du regelmäßig, einfach so, während du andere Dinge erledigst. 

  1. Das ist Mindful Eating
  2. Gründe für achtsames Essen 
  3. Wieso wir achtsames Essen verlernt haben 
  4. 3 Tricks, wie wir achtsames Essen wieder verinnerlichen 

1. Das ist Mindful Eating

“Mindful Eating” stammt ursprünglich aus dem Yoga und beschreibt im Kontext unserer täglichen Ernährung die dafür aufzubringende Achtsamkeit. Wir nehmen dabei eine bewusste Haltung ein und genießen das Hier und Jetzt. Achtsamkeit und Sex fällt uns nun wirklich nicht schwer. Aber warum tut es das während dem Essen? Und worin liegt der Unterschied, wenn wir achtsam essen? 

Wenn wir achtsam essen, sind alle Sinne bei unserem Gemüse: Wir sehen, riechen und schmecken es. Wir sitzen dabei und laufen nicht zum Büro. Wir fokussieren uns auf unseren Brokkoli und nicht auf Netflix. Wir kauen und schlucken statt den Insta-Feed zu aktualisieren. Wir spüren, wenn wir angenehm satt und zufrieden sind. Erst durch die Achtsamkeit können wir genießen! 

“Selbstliebe” ist in aller Munde: Wir sollen unseren Körper und Geist lieben. Wir kaufen Badezusätze und Duftkerzen, um genüsslich im Wasser abzutauchen. Danach kochen wir unser geliebtes Soulfood und essen es während eines Youtube-Videos. Die Achtsamkeit blieb wohl in der Badewanne. 

2. Gründe, wieso achtsames Essen so wichtig ist 

Wusstest du, dass deine Verdauung zu 30% im Mund abläuft? Fett und Stärke aus deiner Nahrung werden durch die beiden Enzyme Zungengrundlipase und Amylase aufgespalten. Das Kauen zerkleinert dein Essen und induziert die Speichelbildung. Das ist deshalb so wichtig, weil die mechanische Zerkleinerung die Aufnahme der Mikronährstoffe erst ermöglicht. Trinkst du nicht gerade einen unserer grünen Säfte , bei denen alle Nährstoffe durch die schonende Kaltpressung bereits wunderbar für uns verwertbar sind, müssen deine Zähne die Aufgabe übernehmen.  Der Speichel nimmt ebenfalls eine sehr wichtige Rolle ein: In ihm befinden sich die bereits genannten Enzyme für die chemische Verdauung. 

Sind wir gerade mit anderen Dingen beschäftigt, schlingen wir das Essen viel zu schnell in uns hinunter. Dein Magen könnte an der makellosen Blattform die Art des Salates erkennen und noch dazu hast du eine Menge Luft geschluckt. Unangenehmes Aufstoßen und Blähungen sind vorprogrammiert! 

Umso länger du dir beim Essen Zeit lässt, desto weniger isst du. Die Sättigung setzt erst 20 Minuten nach Beginn deiner Mahlzeit ein. Isst du viel zu schnell, nimmst du dir womöglich noch einen Nachschlag, obwohl dein Körper schon gesättigt ist. 

Lange gearbeitet, gerade auf dem Weg nach Hause in der Rush-Hour und du musst dich auch noch durch Menschenmassen schlängeln:  Bist du gestresst, steht dein Körper in Alarmbereitschaft. Bei chronischem Stress werden die Glucocorticoid-Hormone vermehrt ausgeschüttet, was zu einem erhöhten Appetit führt. Obwohl du genügend Nährstoffe gegessen hast, hast du Lust zu essen. Hast du gerade andere Dinge zu tun, wird das Bedürfnis nicht hinterfragt und auf die Schnelle befriedigt: der Döner aus der Imbissbude neben dir roch aber auch unwiderstehlich! 

Bad genießen

3. Wieso wir achtsames Essen verlernt haben 

Die zahlreichen Gründe sind Nebenwirkungen unseres modernen Lebensstils: Wir versuchen ständig, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen und vergessen dabei den aktuellen Moment. Wir sind mit der einen Aufgabe noch nicht fertig und denken schon an die nächste: wie sollen wir unter diesen Umständen achtsam sein können? 

FOMO (Fear of missing out, dt: Angst, etwas zu verpassen) ist mittlerweile ein geläufiger Begriff für eine neumodische, gravierend schlechte Angewohnheit. Die sozialen Medien lehren uns, sich ständig um andere Themen Gedanken zu machen. Und so versuchen wir, unser persönliches Leben zu genießen, während wir gleichzeitig mit dem Alltag zahlreicher anderen Menschen auf digitaler Ebene konfrontiert werden. Leistungsdruck, schlechtes Gewissen und fehlende Achtsamkeit in Bezug auf die eigene Psyche und den Körper spitzen sich zu. 

Steht eine Schüssel unserer Lieblingssüßigkeit auf unserem Schreibtisch während dem Arbeiten, leert sie sich quasi von alleine. Kekse sind immer da, wenn man sich nach ihnen sehnt. Kekse diskutieren nicht und bescheren uns stets Hochgefühle. So greifen wir automatisch zu, wenn wir negative Emotionen überdecken wollen und essen sie lediglich in uns hinein. 

4. 3 Tricks, wie wir achtsames Essen wieder verinnerlichen 

Setz’ dich hin und konzentrier’ dich! 

Schon mal eine unserer Suppen im Auto an der roten Ampel in 30 Sekunden getrunken, weil du den Löffel daheim liegen gelassen hast? Auch wenn unsere leckeren Suppen dazu verleiten, sie sich auf der Stelle schmecken zu lassen, ist das nicht der Sinn der Sache: Setz dich hin, genieße deine Mahlzeit auf deinen vier Buchstaben und nehme mit allen Sinnen wahr, was du vor dir hast. Wetten, du schmeckst mit genug Achtsamkeit plötzlich die Aprikose in unserer fantastischen Linsen-Suppe ? 

Vermeide Essen in stressigen Situationen! 

Essen ist kein gutes Pflaster für deine Probleme. Wenn du psychisch aufgewühlt oder gestresst bist, lenke dich mit anderen Dingen ab und versuche dich zu entspannen. Das kann beispielsweise ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft, ein Kapitel in deinem Lieblingsbuch oder auch ein Telefonat mit einer Freundin sein. Erst danach solltest du dich achtsam dem Essen widmen und es dann in vollen Zügen genießen. 

Was sagt dir dein Bauch? 

Wie, es ist 9:30 Uhr und du hast keinen Hunger? Obwohl doch alle anderen im Büro ihr Frühstück auspacken? Kein Grund, nur aus sozialem Druck zu essen: Du isst, wann dir danach ist! Richte die Größe und Uhrzeit der Mahlzeiten nach deinen persönlichen Vorlieben aus und achte stets auf die Signale deines Körpers. Auch nach dem Essen ist ein guter Zeitpunkt, das Gegessene zu überdenken: Wie fühle ich mich jetzt? Schnell wird dir beispielsweise ein Unterschied zwischen einem schweren, reichhaltigen Gericht und einer leichten Gemüsepfanne auffallen, wenn du achtsam bist.